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Neue Westfälische
Bielefeld, 22.09.2003
Im Blindflug auf Platz [zwei]*
TRAMPOLINTURNEN: Brackweder Lokalmatadorin Vera Nohse belegt beim 3. Teuto-Cup Platz zwei

VON STEFAN DUCKSCH



. Bielefeld. Es sollte vier Wochen vor der Weltmeisterschaft die große Leistungsüberprüfung der deutschen Trampolin-Elite werden, doch die Spitzenathleten ließen den Ausrichter hängen: Der Teuto-Cup, den die SV Brackwede zum dritten Mal ausrichtete, wurde von einer Flut von Absagen überschattet. Schade für die gut 50 ehrenamtlichen Helfer, die einen Mammutwettkampf mit 200 Aktiven aus 46 Vereinen abwickelten.

Besonders bitter waren die Absagen des Weltcupdritten Henrik Stehlik sowie des deutschen Meisters Markus Kubicka. Letzterer war zumindest in der Halle und coachte seinen Vereinskollegen Vladimir Cojoc bei den Turnern auf Rang eins. "Wir hatten in der Qualifikation zuletzt so viele Übungen geturnt, dass wir an diesem Wochenende einfach eine Pause brauchten", begründete der Frankfurter seine selbst gewählte Zuschauerrolle.
Bei den Frauen fehlte die zunächst gemeldete Weltmeisterin Anna Dogonadse, dafür waren aber alle anderen für die WM Qualifizierten dabei: Die früheren Brackwederinnen Jessica Simon (3.) und Irmgard Erl (4.) starteten an alter Wirkungsstätte. "Ich habe mich gefreut, hier wieder zu turnen, denn ich hatte in Bielefeld eine sehr schöne Zeit", erzählte eine bestens aufgelegte Irmi Erl. Die 23- Jährige, die in Brackwede den Sprung in die Spitze schaffte, studiert mittlerweile in München Sportwissenschaften und qualifizierte sich wieder fürs Nationalteam. "Da kann ich den Jüngeren in Hannover vielleicht ein wenig helfen", sagt Erl und freut sich, dass dort ihre früheren Teamkolleginnen Jessica Simon und Vera Nohse mit dabei sind.
Speziell die 17-jährige Vera Nohse, die sich vor einer Woche in einer Ausscheidung durchsetzte, bewies, dass sie sich nicht verstecken muss. Zwar startete die Brackwederin nur in der Jugendturnerinnen-Klasse, die sie mit großem Vorsprung gewann, doch mit ihren ausgezeichneten 100,9 Punkten wäre sie bei den Turnerinnen Zweite geworden. "Ich bin froh, dass es nach meiner Hüftverletzung schon wieder so gut läuft", sagte Nohse gut gelaunt und warf im K.o-Finale um die Siegerschecks erst mal Irmi Erl aus dem Wettbewerb.
In der Finalrunde landete Nohse hinter Frauensiegerin Katharina Prokesova (Salzgitter) und das auch nur wegen eines amüsanten Missgeschicks: In der entscheidenden Kür machte sich Nohses Haargummi selbständig und flog im hohen Bogen weg. Durch ihre langen Haare stark sichtbehindert, reduzierte Vera im Blindflug die Schwierigkeit der Kür und landete noch vor Jessica Simon auf Rang [zwei]*. Ein spezielles Haargummi für die WM will Brackwedes Trainer Roland Berger dennoch nicht spendieren: "Wenn das noch mal passiert, schicke ich sie vorher zum Friseur", konnte auch der Coach schmunzeln.
Am Vormittag war ihm aufgrund der "enttäuschend vielen Absagen" das Lächeln vergangen. Denn sein Helferteam hatte mit großem technischem Aufwand und drei Videoleinwänden dafür gesorgt, dass die Zuschauer immer über den aktuellen Stand auf dem Laufenden waren. Leider war das Publikumsinteresse an dem sommerlich heißen Tag gering, die Athleten blieben in der Sporthalle beinahe unter sich. "Im vollen Wettkampfkalender gibt es für eine Verlegung kaum Alternativen. Aber wir wollen mit dieser Veranstaltung auch das Interesse auf unsere Sportart lenken", sagte Berger. Das ist umso nötiger, da den Brackwedern eine längere Durststrecke droht. Nach den Verletzungen der Jugendnationalturner Nancy Gehring und Alexander Reinhardt wird das Bundesligateam kaum starten können.
. Die Ergebnisse: Jugendturnerinnen: 1. Vera Nohse 100,9 Punkte; außer Konkurrenz: Marie Trampisch 95,8. Schüler 1989-91: 3. Maurice Ehlert 90,6; 10. Sven-Oliver Grethe 83,9. Schüler 92 und jünger: 1. Jochen Redekop 86,0. Schülerinnen 92 und jünger: 5. Ricarda Düsterloh 80,3; 8. Marina Schubert 79,1; 14.Sarah Neumann 48,2.


*Berichtigungen der SVB



 
 
Trampolin total: Die Sporthalle Rosenhöhe stand am Samstag beim Teuto-Cup ganz im Zeichen von Salti und Schrauben.
FOTO: OLIVER KRATO
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