TRAMPOLINTURNEN:
Brackweder Lokalmatadorin Vera Nohse belegt beim 3.
Teuto-Cup Platz zwei
VON STEFAN DUCKSCH
.
Bielefeld. Es sollte vier Wochen vor der Weltmeisterschaft
die große Leistungsüberprüfung der deutschen
Trampolin-Elite werden, doch die Spitzenathleten ließen
den Ausrichter hängen: Der Teuto-Cup, den die SV
Brackwede zum dritten Mal ausrichtete, wurde von einer
Flut von Absagen überschattet. Schade für
die gut 50 ehrenamtlichen Helfer, die einen Mammutwettkampf
mit 200 Aktiven aus 46 Vereinen abwickelten.
Besonders bitter waren die Absagen
des Weltcupdritten Henrik Stehlik sowie des deutschen
Meisters Markus Kubicka. Letzterer war zumindest in
der Halle und coachte seinen Vereinskollegen Vladimir
Cojoc bei den Turnern auf Rang eins. "Wir hatten
in der Qualifikation zuletzt so viele Übungen geturnt,
dass wir an diesem Wochenende einfach eine Pause brauchten",
begründete der Frankfurter seine selbst gewählte
Zuschauerrolle.
Bei den Frauen fehlte die zunächst gemeldete Weltmeisterin
Anna Dogonadse, dafür waren aber alle anderen für
die WM Qualifizierten dabei: Die früheren Brackwederinnen
Jessica Simon (3.) und Irmgard Erl (4.) starteten an
alter Wirkungsstätte. "Ich habe mich gefreut,
hier wieder zu turnen, denn ich hatte in Bielefeld eine
sehr schöne Zeit", erzählte eine bestens
aufgelegte Irmi Erl. Die 23- Jährige, die in Brackwede
den Sprung in die Spitze schaffte, studiert mittlerweile
in München Sportwissenschaften und qualifizierte
sich wieder fürs Nationalteam. "Da kann ich
den Jüngeren in Hannover vielleicht ein wenig helfen",
sagt Erl und freut sich, dass dort ihre früheren
Teamkolleginnen Jessica Simon und Vera Nohse mit dabei
sind.
Speziell die 17-jährige Vera Nohse, die sich vor
einer Woche in einer Ausscheidung durchsetzte, bewies,
dass sie sich nicht verstecken muss. Zwar startete die
Brackwederin nur in der Jugendturnerinnen-Klasse, die
sie mit großem Vorsprung gewann, doch mit ihren
ausgezeichneten 100,9 Punkten wäre sie bei den
Turnerinnen Zweite geworden. "Ich bin froh, dass
es nach meiner Hüftverletzung schon wieder so gut
läuft", sagte Nohse gut gelaunt und warf im
K.o-Finale um die Siegerschecks erst mal Irmi Erl aus
dem Wettbewerb.
In der Finalrunde landete Nohse hinter Frauensiegerin
Katharina Prokesova (Salzgitter) und das auch nur wegen
eines amüsanten Missgeschicks: In der entscheidenden
Kür machte sich Nohses Haargummi selbständig
und flog im hohen Bogen weg. Durch ihre langen Haare
stark sichtbehindert, reduzierte Vera im Blindflug die
Schwierigkeit der Kür und landete noch vor Jessica
Simon auf Rang [zwei]*. Ein spezielles Haargummi für
die WM will Brackwedes Trainer Roland Berger dennoch
nicht spendieren: "Wenn das noch mal passiert,
schicke ich sie vorher zum Friseur", konnte auch
der Coach schmunzeln.
Am Vormittag war ihm aufgrund der "enttäuschend
vielen Absagen" das Lächeln vergangen. Denn
sein Helferteam hatte mit großem technischem Aufwand
und drei Videoleinwänden dafür gesorgt, dass
die Zuschauer immer über den aktuellen Stand auf
dem Laufenden waren. Leider war das Publikumsinteresse
an dem sommerlich heißen Tag gering, die Athleten
blieben in der Sporthalle beinahe unter sich. "Im
vollen Wettkampfkalender gibt es für eine Verlegung
kaum Alternativen. Aber wir wollen mit dieser Veranstaltung
auch das Interesse auf unsere Sportart lenken",
sagte Berger. Das ist umso nötiger, da den Brackwedern
eine längere Durststrecke droht. Nach den Verletzungen
der Jugendnationalturner Nancy Gehring und Alexander
Reinhardt wird das Bundesligateam kaum starten können.
. Die Ergebnisse: Jugendturnerinnen: 1. Vera Nohse 100,9
Punkte; außer Konkurrenz: Marie Trampisch 95,8.
Schüler 1989-91: 3. Maurice Ehlert 90,6; 10. Sven-Oliver
Grethe 83,9. Schüler 92 und jünger: 1. Jochen
Redekop 86,0. Schülerinnen 92 und jünger:
5. Ricarda Düsterloh 80,3; 8. Marina Schubert 79,1;
14.Sarah Neumann 48,2.
*Berichtigungen der SVB
Trampolin total: Die Sporthalle Rosenhöhe
stand am Samstag beim Teuto-Cup ganz im Zeichen von
Salti und Schrauben.
FOTO: OLIVER KRATO